Alles begann mit einem einzigen Satzzeichen. In einem Text über die Renovierung des fiktiven Stadttheaters stand ein Semikolon – und seither steht die Kulturredaktion der Region in Flammen. Leserbriefe, Gegendarstellungen und eine Petition mit dem Titel „Rettet das Semikolon“ folgten binnen 48 Stunden.

Die einen feiern das Semikolon als das „Vielleicht“ unter den Satzzeichen – weder Punkt noch Komma, sondern eine Haltung. Die anderen halten es für das typografische Äquivalent eines Menschen, der in der Tür stehen bleibt. Beide Seiten berufen sich auf die fiktive Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Ada Interpunktio, die sich auf Anfrage nicht äußern wollte; ihre Stellungnahme enthielt – je nach Quelle – einen Punkt oder ein Semikolon.

Das Semikolon ist wie ein guter Witz: Wer es erklären muss, hat es falsch gesetzt.
— Ein anonymer Korrekturleser

Die Debatte soll im Herbst in einem Symposium münden. Titel: „Zwischen den Sätzen – das Semikolon als Lebensform“. Die Anmeldung ist ab sofort möglich; das Anmeldeformular enthält, als kleine Provokation, keines.