Der Zug fährt um 23:47 Uhr ab Gleis 7 des fiktiven Hauptbahnhofs Beispielstadt. Er fährt immer um 23:47 Uhr. Er fuhr um 23:47 Uhr, als die Mauer fiel, und er wird um 23:47 Uhr fahren, wenn diese Geschichte längst vergessen ist. Sein Ziel lautet: Zwischenhalt.

Im Speisewagen sitzen drei Reisende, ein Schaffner und eine Gewissheit: Dass man unterwegs ist, reicht als Begründung. „Ich wollte immer mal nach Lissabon“, sagt eine Frau, die seit eigener Auskunft seit 2019 regelmäßig in diesen Zug steigt. „Aber hier ist der Tee besser.“

Eine Erfindung aus besseren Zeiten

Erfunden wurde die Linie nach Angaben des fiktiven Verkehrsverbunds 1987, als jemand im Fahrplanheft eine Zeile zu viel drucken ließ. Statt den Fehler zu korrigieren, ließ man den Zug einfach fahren. Seitdem verbindet er Beispielstadt mit allen Orten, an denen niemand aussteigen möchte.

Verspätung ist, wenn der Zug ankommt, bevor die Geschichte zu Ende erzählt ist.
— Der Schaffner, Name unbekannt, Dienstalter angeblich 37 Jahre

Gegen 4 Uhr morgens, irgendwo zwischen zwei Tunneln, schläft auch der letzte Fahrgast ein. Der Zug fährt weiter. Er wird pünktlich sein – nur eben nirgendwo.